Einige Leser meiner Berichte haben mich gefragt, was ich gegen das spanische Gesundheitssystem habe. Man würde doch super und auch besser behandelt, wie in Deutschland. Auf meine Rückfragen, ob privat oder gesetzlich hier in Spanien versichert, habe ich dann keine Antworten mehr bekommen.
Anfangs habe ich ich auch keine schlechten Kommentar über das spanische Gesundheitswesen aktzeptiert, aber da hatte ich auch nur Kleinigkeiten behandeln lassen müssen. Und in Kleinigkeiten sind die sehr groß hier. Krankenkarte vorlegen und alles klappt.
Vorteile der spanischen Sozialversicherung:
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- den Hauptanteil der Beiträge muss hier der Arbeitgeber übernehmen
- Praxisgebühren gibt es nicht
- sehr geringe Zuzahlung bei den Medikamenten. Als Beispiel: für meine jetzigen Medikamente im Gesamtwert von rund 450 € pro Monat zahle ich knapp 20 € selber.
- Man erhält die für seine Erkrankung besten (preisunabhängig) Medikamente, sollten die nicht die erwünschte Wirkung erzielen, verschreibt der Doktor halt andere/stärkere/bessere, die Kasse zahlt alles ohne zu meckern.
- Alle Daten und Diagnosen des Patienten sind im Zentralrechner der Kasse gespeichert. Muss man also zu einem anderen Arzt, zum Facharzt oder in eine Klinik, können die über die Krankenkarte alles auslesen, Diagnosen, Behandlungen, Allergien, alle bislang verschriebenen Medikamente und, und, und. Erspart überflüssige Fragen, auch sehr zum Vorteil für Einwanderer, die des spanischen noch nicht so sehr mächtig sind.
- Auf Antrag mit Begründung Ausstellung einer europäischen Auslandsversichrungskarte, die jeder Arzt und jede Klinik in Deutschland (mit Ausnahme der privaten) ohne den Umweg über eine AOK Geschäftsstelle aktzeptieren muss. Das ist eine Garantie, das im Auslandsnotfall sämtliche Kosten, gleich welcher Höhe, abgedeckt sind
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Nachteile der spanischen Sozialversicherung:
- Keine freie Arzt/Klinikwahl
- Der erste Weg, selbst wenn ein Facharzt zu einem anderen Überweist, geht nur über den Hausarztbesuch, denn dieser muss eine neue Überweisung ausstellen.
- Reine Sozialversicherungsärzte sind nicht gerade Spezialisten in ihrem Fach. Es gibt zwar private Spezialisten, die auch die Seguridad aktzeptieren, aber sehr sehr selten.
- Selbst in Kliniken der Seguridad Social wird unterschieden. Die Ärzte der gesetzlichen Krankenversicherung kümmern sich um ihre "Sozialpatienten", die privaten Spezialisten auch nur um ihre Privatpatienten. Selbst bei schwierigen Fällen, mit den die Sozialärzte nicht fertigwerden, zahlt die Seguridad Social nicht den Privatspezialisten, sondern überweist den Patienten an eine andere Klinik.
- Der sozial Versicherte wird bei anstehenden Operationen auf eine Warteliste gesetzt, ungeachtet der Verschlimmerung der Krankheit in der Wartezeit, welche in der Regel 3-4 Monate betragen kann. Aufgrund dieser Situation ist die Sterberate von sozial Versicherten Herzpatienten in Spanien die weitaus höchste in ganz Westeuropa. Krankenkasse und Kliniken begründen die Wartelisten zwar damit, dass Notfalloperationen vorgezogen werden und deshalb die Wartezeiten entstehen, aber das passt ja wohl nicht mit dem im vorherigen Satz geschriebenen zusammen. Erstens kann man Notfalloperationen nicht Monate im voraus planen, wie z.B. bei meinem Fall: Anfang Dezember bekam ich meinen Operationstermin für den 03.03.2008 bestätigt. Also müssen die Krankenhausverwaltungen wohl Hellseher sein, was in drei Monaten an OP-Notfällen reinkommt.Ein offenes Geheimnis ist: Die Wartelisten entstehen durch die Privatpatienten, die innerhalb von 1-2 Wochen (oder eher) unterm Messer liegen. Und diese Tatsache bestätigt auch jeder Hausarzt hinter vorgehaltener Hand, vorausgesetzt man kennt sich schon besser.
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